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Balanceakt

Man stelle sich vor, das Pferd hat vier Beine. Ja, ja! Nicht zwei wie wir. Wenn wir unser Gewicht verlagern vom linken zum rechten Fuss, geschieht schon eine ganze Kette von Anpassungsbewegungen im menschlichen Körper.

Eine kleine Übung:

Stell dich hin, Füsse Hüftbreit. Die Hände legst du seitlich an deinen Rumpf, zwischen Rippenbogen und Hüftknochen, dort wo „Fleisch“ zu ertasten ist. Als ob du jemandem eine Standpauke halten möchtest. Dann langsam das Gewicht von einem Bein auf das andere verlagern, bis der Fuss ganz vom Boden abgehoben ist. Wo ist unter der Hand eine Anspannung zu spüren? Welche Seite wird härter und welche bleibt relativ weich?

Nun, das Gleiche beim Pferd. Will man einen Kreis reiten, dann sollte die äussere Seite flexibel bleiben, da sie sich verlängern muss und die Innere, die stabilisiert und verkürzt sich, die darf sich also vermehrt anspannen.

Wird es da nicht einleuchten, dass wir also, wenn wir auf einen Kreis links herum gehen, die Belastung etwas mehr auf das rechte, vordere Bein nehmen dürfen?

Denn als wir auf dem rechten Bein standen (Mach die Übung), sollte sich (es gibt nämlich Ausnahmen-->Schreib mir) die linke Hälfte unseres Körpers angespannt haben.



Das bedeutet nicht, dass das Pferd dann nur noch auf dem Bein stehen soll.

Denn was passiert ist eigentlich dies: Das Pferd bringt sich dadurch wieder in die Balance! Wir erzeugen eine Fliehkraft durch die Volte, die ohne Biegung des Körpers darin resultiert, dass das Pferdchen entweder auf die eine, meistens die innere Seite, kippt. Biegung benötigt Balance, sonst endet sie in einem Ziehen.

Diese Balance nennt sich die vertikale Balance. Sie beschreibt das Vermögen des Pferdes, sich auf seinen Diagonalen (Hinterfuss links, Vorderfuss rechts und umgekehrt) auszubalancieren. Der Kopf und Körper des Pferdes (und hoffentlich des Reiters) bleibt, wenn dies gelingt, mittig. Dabei öffnet die jeweilige Schulter dem Hinterbein den Weg nach vorne.

Was? Die Schulter öffnet die Hüfte?

Visuelles Beispiel?

Stell dich seitlich zur Schulter deines Pferdes hin. Deine Blickrichtung zu seinem Hintern. Lege jeweils eine Hand auf sein linkes und rechtes Schulterblatt. Dann übe ganz leichten Druck von einer Seite aus und beobachte, was mit der Hüfte deines Pferdes passiert. Wo schwenkt sie hin und welcher Fuss hat also weniger Belastung, wird eher einen Schritt nach vorne machen?

Dies ist ein Teil des Weges, der zu einer selbsttragenden Haltung des Pferdes führt.

Wie dies dem Pferd vermittelt wird, ohne dass es sich verspannt oder verkantet, sondern losgelassen sich auf diesen Diagonalen bewegen kann;

das ist Reitkunst.

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