• katharinasuffak

Adventsgeschichten - Das gestresste Selbst

Vorab, für diese Adventsgeschichtenreihe habe ich mir gedacht, Themen und Geschichten aus meinem Alltag zu nehmen. Für mich sind es diese Dinge, die das Leben lebendig machen. Darüber zu schreiben ist ein weiterer Schritt und es zu teilen noch einer mehr. Vielleicht auch um zu zeigen, dass es uns wenig nutzt, selbst vor unseren eigenen Augen eine Maske oder ein Bild aufrecht erhalten zu wollen.


Persönlich sehe ich unser Selbst eigentlich als etwas höchst kreatives. Etwas, das lebendig ist und aus kleinsten Dingen etwas entstehen lassen kann. Wie könnte man so etwas stressen oder sogar blockieren? Noch dazu in unserer heutigen Zeit mit den vielen Möglichkeiten...


Der Weg der Selbständigkeit

Es war wesentlich einfacher für mich persönlich, als ich noch angestellt war, Stressfaktoren für mich zu sehen, mit ihnen umzugehen oder die Situation zu ändern. Einfacher sie zu sehen im Aussen, jedoch begrenzt sie zu ändern. Das war wohl auch eine der Gründe, warum ich mich selbständig gemacht habe. Ich wollte von A-Z selber verantwortlich sein und Einfluss nehmen können. Was wesentlich schwerer war, war, mich für meinen eigenen Weg zu entscheiden. Zu sehen, was nicht so stimmig ist, ist das Eine... es dann für sich selber anders zu machen... das Andere. Dann einen Schritt ins Unbekannte zu wagen. Nun als selbständig Erwerbende habe ich durchaus viele Vorteile dazugewonnen. Ich kann mein Arbeitspensum einteilen, ich bin verantwortlich für mein Tun und niemand anderes und ich kann in meinem Geschäft auf viele Bereiche Einfluss nehmen und sie auf "meine Weise" tun.


Aber, es gibt durchaus Faktoren von aussen, die so sind, wie sie sind. Von der Buchhaltung bis über den Unterricht selber.


So hat sich auch meine Sichtweise dem Unterricht gegenüber etwas verändert.

Es ist nicht «Mein» Unterricht. Ich bringe mich in das Gefüge ein mit meinem Wissen, meiner Erfahrung und meinen Talenten.

Wie, in welcher Art und mit welchem Tempo wir vorankommen, hängt zum grössten Teil vom Reiter und seinem Pferd ab und meiner Fähigkeit, zu sehen was ist und auch das Thema von verschiedenen Seiten angehen zu können. So zu wirken macht unheimlich viel Freude und entspannt enorm! Man bedenke, es ist eine Sichtweise, die jedoch grossen Einfluss auf sein eigenes Tun hat.





Wie könnte es also da zu Stress kommen? Irgendwie scheint es viel mit den Worten: Müssen...sollen...wäre.... zu tun haben.


Die angehafteten Muster waren nämlich immer noch da, ohne sie zuerst wirklich zu bemerken. Zum Beispiel die acht Stunden Tage. Das Leisten. Für mich persönlich als Reitlehrerin ist das im moment nicht machbar. Jeden Tag 6-8 Reitstunden mit einer mich erfüllenden und auch bevorzugten Präsenz zu geben, macht mich, aus meiner Erfahrung her, ausgelaugt und abgestumpft.

Aber den Schritt, nun auf sich selber einzugehen und dies einzugestehen, obwohl andere anderes leisten (und sich dabei fragen, wie schaffen die das, wieso ich nicht?), das ist die eigentliche Selbständigkeit und Selbstverantwortung. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie lange ich gebraucht habe, bis ich zwischen den Reitstunden einfach einige Pausen eingebaut habe und es dann wunderbar lief und machbar für mich wurde.


Auch zu entscheiden, will ich alles selber tun, von Buchhaltung bis ins kleinste Detail, oder kann ich meine Talente auch noch an anderen Orten einsetzten und dafür einige Dinge anderen Personen von ihrem Fach abgeben. Auch das Abgeben und sich seine Kräfte und Freizeit einteilen ist für mich ein weiterer Lernschritt der Selbständigkeit.

Dann kommen solche Zeiten wie schlechtes Wetter oder aktuell Corona-Einschränkungen. Auch wenn es mir nicht gerade ans Lebendige geht, da ist nun etwas mehr Zeit.

Derweilen mache ich mir Gedanken, wie ich mein Tun mit Pferd und Mensch noch anders zum Ausdruck bringen könnte z.B. über die sozialen Medien und dabei trotzdem etwas zu tun, was mir auch entspricht. Andere Wege beschreiten.


Das was ich beobachtet habe ist das: Alle, die nicht in unserem gewohnten Raster sich bewegen wie zum Beispiel der Arbeitszeiten, (da nehme ich auch die Hausfrauen gerne dazu), stehen oft vor der Herausforderung, sich selber zu führen. Selbstführung will gelernt sein, das schüttelt nicht jeder mal so aus dem Ärmel.




Natürlich könnte ich in Gedanken hundert Dinge am Tag tun, wenn ich nicht gerade Termine habe. Dann kommt die Frage, welche Punkte sind für heute am effektivsten? Auf welche Dinge setze ich den Fokus, wieviel Zeit beanspruchen sie jeweils? Selbst beim Film drehen oder bearbeiten hat man Tage, die einfach besser laufen. Wenn ich zu viele Dinge absolvieren möchte, komme ich persönlich schnell ins Rudern, wenn ich mir zu viel Vorschriften und Druck mache vonwegen, ich müsste…ich sollte….sonst….dann fange ich erst gar nicht an oder ich bugsiere mich hindruch.


Und ich denke, dass ist nicht nur ein Problem der Selbständigen. Nur, die, welche ihre Tage und ihr Geschäft ganz alleine Managen, stehen vor einem Berg der Möglichkeiten. Die Möglichkeiten sind nicht das Problem, nur unsere Einstellung dazu.


Mir hat dabei sehr geholfen, sich immer wieder vor Augen zu halten, dass der Stress hausgemacht ist. Ich rede hier von Stress der in Überforderung oder Unproduktivität endet. Stressfaktoren sind sowieso da, es ist eine Frage des persönlichen Umgangs. Stress an sich in gewissen Situationen ist auch beflügelnd und auch sogar lebensrettend.


Das will nicht heissen, dass es nichts zu tun gäbe, aber der Stress kommt buchstäblich aus meinem Kopf: Ich müsste, ich sollte, wenn nicht dann…

Und dabei geht alles unter, was am effizientesten wäre, was machbar ist und was ich zudem auch heute gerne tun würde oder entstehen lassen möchte. Es ist die Wertung der Dinge, nicht die Dinge selber.

Am Beispiel meiner Pferde? Ich muss meine Pferde bewegen gehen. Ich gehe gerne zu meinen Pferden, ich arbeite gerne mit ihnen, aber der Satz in meinem Kopf macht, dass alle Freude verschwindet und es liegt definitiv nicht an meinen Pferden und an unseren Möglichkeiten. Wenn ich dann noch in den Stall gehe und meine zwei Räuber einen Winter-Sparmodus-Muffeltag haben, dann ist die Komödie perfekt und ich hätte doch am besten einfach den Stuhl genommen, mich hingesetzt und hätte ihnen etwas zugeschaut, obwoooohl ich doch sollte….


Und ja.. ich sehe die Selbständigkeit als eigenes Wirken an und mein Wachstum und meine Entfaltung beeinflusst automatisch meine Arbeit, auch der Stress und der Umgang damit :)

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