• katharinasuffak

Adventsgeschichten - Beobachten und beobachtet werden


Ein frostiger Novembertag. Das Geäst geziert mit weissen Kristallen, die Luft frisch und der Wald in mystischen Dunst getaucht.

Ein bekannter Pfad zu einem mir noch bekannteren Gebiet. Frisch und Bewegungsfreudig schritt ich voran. Alleine. Aber das macht ja nichts, ich kenne die Wanderung, was will mir schon passieren in einer Umgebung, die ich seit meiner Kindheit kenne?

Weiter gings. Ich hing etwas meinen Gedanken nach. Versuchte einige Lösungen für einige Probleme zu finden. Gedanken kamen, blieben hängen und andere liess ich wieder fallen.

Dann eine Weggabelung. Nanu? Da ist ein Weg, den ich noch nicht gegangen bin. Der Verstand meldet sich sofort zu Wort: Besser den bekannten Weg gehen, weisst du, es ist kalt, was ist wenn es noch kälter wird? Zudem ist es etwas neblig, du könntest dich verlaufen.




Ich überlegte: Kalt? Ich habe doch warm, da ich die ganze Zeit in Bewegung bin. Und verlaufen? Im Wald hat es keinen Nebel, ausserdem ist das Gebiet nicht so weitläufig, ich weiss in welche Richtung es geht.


Der Verstand liess nicht locker: Und die Jäger? Ist es gerade nicht Jagd? Die haben sicher keine Freude wenn du im Wald herumstreichst. Ausserdem, wenn dich ein Schuss streift?


Ich liess es mir durch den Kopf gehen, aber mein Inneres meldete sich: Neuer Weg, wie interessant! Los, wir gehen mal schauen was es da so gibt. Du bist ja nicht auf den Kopf gefallen und seit Kindesbeinen in der Natur und genug erfahren um auf dich aufzupassen.


Schon befanden sich meine Füsse auf dem neuen Weg. Meine Sinne wach, keine Zeit mehr meinen Gedanken nachzuhängen. Ich musste nach vorne schauen um zu sehen, wohin es geht. Ich fühlte den Untergrund unter meinen Füssen, Schritt um Schritt, denn der Weg wurde immer schmahler, führte mich an Felswänden vorbei. Manchmal benutze ich meine Hände um mich zu sichern. Dann plötzlich vor mir eine kleine Felswand hinunter.


Ich schaute hinunter. Na tief geht es das ja nicht runter, da bin ich schon anderes geklettert. Zuerst vorwärts. Dann musste ich mich umkehren, denn die nächste Stufe war etwas weiter unten. Also stütze ich mich auf meine Hände und liess mich langsam runter.


Ich hielt kurz inne. Ups, dieses Gefühl. Ich weiss da irgendwo ist die Stufe. Rauf kann ich nicht mehr, dazu habe ich zuwenig Kraft. Langsam kroch die Furcht in mir hoch.


Der Verstand: Ich habs doch gesagt! Du kennst den Weg nicht und nun hast du dich richtig in die Bredouille befördert. Dich wird NIEMAND hierdraussen finden!


Ich atmete tief durch. Da unten ist die Stufe, ich bin gelenk und wenn ich jetzt nicht festfriere, werde ich sie auch fühlen.


Ich liess mich noch ein Stück runter und hatte wieder Felsen unter meinen Füssen. Noch zwei weitere Tritte und unten war ich. Der Puls dröhnte in meinem Kopf.


Dann kam die Freude. Geschafft! Was für ein Abenteuer. Ich sah hoch. Na, so gefährlich sieht es nun wirklich nicht aus. Aber das ist Ansichtssache. Ich habe meine Furcht an der Hand genommen.


Weiter gings und bald zog es mich wieder auf den gewohnten Weg. Auch da gab es viel zu sehen und ich machte es auch mit einem lächlen: Genug Abendteuer fürs Erste.


Aber ich vergass nicht, wie wach und lebendig ich war und mich selber erfahren habe.


Und das, weil ich nicht den gewohnten Weg genommen habe. So etwas kleines mit so grosser Wirkung.


Die Angst begleitet uns. Sie ist zurecht da und doch, das Leben findet auf neuen Wegen statt.

Wieviele Entscheidungen treffen wir aus der Angst, obwohl da doch ein innerer Funke ist, der sich für das Neue entschieden hätte?

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